“Wann der nächste Hype um Bitcoin losgeht, ist noch nicht abzusehen. Doch bis dahin sollte Bitcoin seine Skalierungsproblematik mithilfe von Lightning in den Griff bekommen haben.”

Vergangenen Samstag fand in Berlin der zweite Lightning Hackday statt. Klemens Kilic, der Gründer vom Coin Kurier, war dort und hat einen Erfahrungsbericht dazu verfasst.

In der Früh machte ich mich auf den Weg nach Berlin zum zweiten Lightning Hackday. Bereits bei der Ankunft merkte ich rasch, dass es sich hierbei um keine herkömmliche Blockchain-Veranstaltung handelt, wo die Besucher erfahren, was denn dieser Bitcoin ist.

Jeder zweite Besucher trägt ein Shirt, das auf Bitcoin oder andere Blockchain-Projekte hinweist. Alle Stühle sind belegt, sodass meine Begleitung und ich auf dem Boden Platz nehmen müssen. Und bereits die einleitenden Vorträge machen deutlich, dass ein tiefschürfendes Verständnis der Lightning Technologie vorausgesetzt wird. Wie der Name der Veranstaltung schon verrät, handelt es sich hierbei also um einen wahren Lightning Hackathon: also um ein Event, dass vor allem dem Austausch über das aktuelle Entwicklungsstadium der Lightning-Technologie dient.

Credit: BunnyCat Productions

Der Hauptveranstalter, Jeff Gallas, bietet zu Anfang den Rednern die Möglichkeit, sich und ihr Referatsthema vorzustellen. Der Schwerpunkt der Vorträge liegt auf verschiedenen Entwicklungsbereichen der Lightning-Technologie, an denen aktuell gearbeitet wird. Aber auch eine Designerin für Lightning-Wallets und der Entwickler eines Lightning-betriebenen Smarties-Automaten sind anwesend.

Die Stimmung ist gelöst, munter und kreativ. Die Besucher haben die Möglichkeit, zwischen drei Räumen fliegend hin- und herzuwechseln, wo teils simultan Reden gehalten werden. Nur ein Raum davon ist durch eine Türe von den anderen abgegrenzt. Die anderen sind offen, wodurch man manchen Reden nur mit Mühe folgen kann, da sich im Hintergrund kontrovers ausgetauscht wird. Im Hinterbereich des Mainfloors sind Tische aufgestellt, wo sich Programmierer an Rasperry Pies austoben können.

Ich, die Transaktion, du, die Blockchain

Die Star-Gäste sind das Team von Lightning Labs – der wohl bekanntesten Firma im Bezug auf die Entwicklung der Lightning-Technologie. So bekannt, dass es von Jack Dorsey, dem CEO von Twitter, und weiteren Silicon Valley-Größen finanziell unterstützt wird. Das Team ist zur Zeit viel unterwegs, und Conner Fromknecht (dem Kopf für kryptographische Umsetzung von Lightning Labs) zufolge erst am Vortag aus Portugal angereist.

Der Punkt ist: Wann der nächste Hype um Bitcoin losgeht, ist zwar noch nicht abzusehen. Bis dahin ist es aber dringend nötig, dass der Bitcoin seine Skalierungsproblematik mithilfe von Lightning in den Griff bekommt. Zur Zeit ist Lightning noch in der Beta-Phase und noch nicht ausreichend geprüft, um vom Massenmarkt genutzt zu werden.

Bevor es ins Detail geht, wird die Lightning Technologie auf dem Mainfloor zunächst in seinen Grundlagen vorgestellt. Ein Rollenspiel soll dabei helfen. Ich selber unterhalte mich derweil und sehe nur aus den Augenwinkeln, wie das Rollenspiel mit sichtlich amüsierten Protagonisten seinen Lauf nimmt. Die Rollen sind wohl so aufgeteilt, dass sowohl die Blockchain, die Netzwerkteilnehmer und die Transaktionen verkörpert werden.

Danach wird der Mainfloor vor allem von Conner Fromknecht, Olaoluwa Osuntokun und Bryan Vu belegt – dem Team von Lightning Labs. Thema sind unter anderem AMP (Atomic Multi-path Payments), Multi-Hop Lock Paper und Watchtowers. Ich als jemand ohne Programmierkenntnisse muss an einigen Stellen abschalten. Anderen Punkten wiederum kann ich durch die Kenntnisse des Whitepapers folgen, und an einigen Stellen ergibt es sich sogar, dass ich ein paar Fragen stellen kann.

In der Mittagspause nehme ich mir eine Pizza vom Tresen und gehen nach draußen um frische Luft zu schnappen. Ich schlendere ein wenig durch die Straßen und lande auf der Museumsinsel, wo ich vor der Alten Nationalgalerie stehen bleibe. Die Sonne strahlt und rechts von mir spielt ein Gitarrist Knocking On Heavens Door. Mit Blick auf das Reiterstandbild Friedrich Wilhelms IV. denke ich darüber nach, mit welchen futuristischen Themen man sich heute auseinandersetzt, während man in der Zeit des Preußen-Königs froh war, einen Schlafplatz zu haben uns sich tagsüber mit Brot und Wasser zu nähren. Ich verwerfe den Gedankengang, schnipse dem Gitarristen ein bisschen Fiatgeld zu und drehe wieder um.

Das Team, das federführend an der Zukunft von Bitcoin arbeitet

Wieder beim Hackathon angekommen, schnappe ich mir eine kühle Fritz Kola und schaue mir den Smarties-Automaten genauer an. Das kleine Gerät erlaubt den Kauf von Smarties mit Bitcoin per Lightning. Es muss nur ein QR-Code gescannt werden und schon kann man mit ein paar Tausend Satoshis Smarties blitzschnell erwerben. Im Laufe der Veranstaltung kommt es immer wieder vor, dass der Automat während eines  Vortrags rotiert, Smarties auswirft und jemand vorsichtig zu ihm läuft, um sich seine Beute abzuholen. Zur Erheiterung trägt es zweifellos bei.

Mittlerweile ist auch Elizabeth Stark eingetroffen, die Co-Gründerin und CEO von Lightning Labs. Gemeinsam mit Conner berichtet sie vom aktuellen Entwicklungsstand, sowie von Problemen und Herausforderungen der Lightning-Technologie. Neben technischen Details thematisiert sie auch beliebte Fragestellungen: Was versteht man unter der Second Layer? Was ist die Third Layer? Warum ist die Kritik, Lightning führe zu Zentralisierung innerhalb des Netzwerks, unbegründet?

Elizabeth betont, dass die Begrifflichkeiten noch nicht ganz klar seien. Conner argumentiert, dass es am meisten Sinn ergebe, wenn man die Bitcoin-Blockchain als First Layer (erste Ebene), Lightning als Second Layer und alle darauf aufbauenden LApps (Lightning Applikationen) als Third Layer bezeichnet. Aber er räumt auch ein, dass die Semantik hier häufig verschwimmt.

Die Angst, Bitcoin würde durch das Lightning Network übers Hintertürchen zentralisiert werden, zerstreut Conner. Zwar ist es richtig, dass durch die Second Layer eine gewisse Zentralisierung der Transaktionsströme denkbar ist, allerdings wird der Wettbewerb hier verschiedene Knotenpunkte (Hubs) hervorbringen, wodurch der Markt eine Zentralisierung verunmöglicht. Im Gegensatz zu konventionellen Konten ist man außerdem immer Herr seines eigenen Geldes, weswegen keineswegs von Zentralisierung die Rede sein kann, so Conner. Die Befürchtungen seien daher unbegründet.

In einer abschließenden Rede spricht Elizabeth ihren Dank für all die interessanten Fragen aus. Sie unterstreicht noch, wie sehr sie sich der Verantwortung bewusst sei, dass ihr kleines Team federführend an der Zukunft Bitcoins arbeitet.

Im Anschluss machen sich die Besucher des Hackdays dann mit Öffis bzw. Taxis auf den Weg zum Room77, dem wohl bekanntesten Pro-Bitcoin-Restaurant Deutschlands. Die Toiletten sind zugekleistert mit Aufklebern vom Dogecoin, Monero, Bitcoin undsoweiter. Bier, Burger und interessante Gespräche haben mich dann sogar das WM-Spiel „Deutschland gegen Schweden“ ignorieren lassen, was nebenher auf einer Leinwand lief. Gezahlt wurde – natürlich – mit Bitcoin.

Original source: https://bitcoinblog.de/2018/06/28/wann-der-naechste-hype-um-bitcoin-losgeht-ist-noch-nicht-abzusehen-doch-bis-dahin-sollte-bitcoin-seine-skalierungsproblematik-mithilfe-von-lightning-in-den-griff-bekommen-haben/

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