Tesla kauft sich Bitcoins: Der Tag, an dem Bitcoin unheimlich wurde

Dingdong. Der Kurs stieg innerhalb weniger Minuten um mehr als 3000 Euro. Der Grund: Tesla hat für 1,5 Milliarden Dollar Bitcoins gekauft. Langsam deutet sich jener Prozess an, den phantasievolle Bitcoiner seit langem prophezeien: Die größte finanzielle Umwälzung aller Zeiten.

Tesla hat sich für 1,5 Milliarden Dollar Bitcoins gekauft. Der nach der Marktkapitalisierung größte Autobauer der Welt hat im Januar seine Investitionsrichtlinien angepasst, um sein Vermögen flexibler und diversifizierter anzulegen. Kurz darauf hat er für 1,5 Milliarden Dollar Bitcoins kauft.

Wer Tesla-CEO Elon Musk auf Twitter beobachtet hat, dürfte nicht so sehr überrascht sein. Musk, der durch den sensationell bombastischen Tesla-Börsengang angeblich zum reichsten Mann der Welt wurde, hat immer wieder über Bitcoin und Dogecoin getweetet, was bei Dogecoin nette Kurssprünge auslöste; für einige Tage hatte er seine Twitter-Biographie durch das Hashtag „#bitcoin“ ersetzt, ganz nach dem Vorbild von Twitter-CEO Jack Dorsey, der dies schon längers so pflegt. Eventuell signalisierte Musk damit unter Eingeweihten, dass Tesla in Bitcoin investiert.

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Darüber hinaus plant Tesla, Bitcoins als Zahlungsmittel anzunehmen, und diese nach Erhalt nicht zwingendermaßen zu liquidieren, wie es meist üblich ist, sondern sie auf der Firmen-Wallet zu HODLen.

Die Nachricht wurde vor etwa einer halben Stunde bekannt und beruht auf einem Bericht, den Tesla bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat. Der Börsendienst Bloomberg war einer der ersten, der die Meldung brachte, mittlerweile hat sie gefühlt jede zweite Internetseite übernommen. Innerhalb der folgenden 30 Minuten sprang der Kurs um rund 4.000 Dollar, was der größte Kurssprung war, den Bitcoin jemals hingelegt hat.

Eine Zahl, die fix ist. Mehr nicht.

Was soll man dazu sagen? Bitcoin als Wertspeicher und digitales Gold kam im Mainstream an.

MicroStrategy war ein nicht winziges, aber im globalen Bild vernachlässigbares Unternehmen mit einem exzentrischen, von Bitcoin besessenen CEO. Der Zahlungsdienstleister Square war schon eine Nummer größer. Aber nun Tesla – Tesla ist eine gewaltige Hausnummer, mit der wir, trotz der Gerüchte, nicht ernsthaft gerechnet haben.

Tesla ist DIE Erfolgsgeschichte der globalen Automobilindustrie und DER Hoffnungsträger für eine Mobilität ohne Öl. Nun signalisiert das Unternehmen, dass es Dollar und Euro misstraut, aber Bitcoin vertraut. Die Flucht aus dem Fiatsystem hat mit MicroStrategy begonnen, Square hat sie fortgesetzt – Tesla macht sie offiziell.

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Das sind alles US-amerikanische Unternehmen. Sollte einem das zu denken geben?

Bitcoin ist das Angebot an Unternehmen und Einzelpersonen, sich der Logik des Fiatgeldsystems zu entziehen. Sie müssen sich nicht der expansiven Geldpolitik der Zentralbanken aussetzen, nicht den Aktien- und Immobilienmärkten, die sich mehr und mehr nach einer Blase anfühlen. Bitcoin ist nur eines: Ein Token, auf das sich alle einigen, es als Wertspeicher zu benutzen, und dessen Knappheit resistenter ist als jede andere Art der Knappheit.

Es geht derzeit wirklich nur darum: Eine Zahl zu haben, die fix ist, und die in dieser Welt von Überfluss und „es werde“-Geld und -Aktienkursen stabil bleibt. Alles weitere ist ein Bonus.

Eine unheimliche Mechanik

Das Bitcoin-Angebot setzt eine perverse Mechanik in Gang. Sie erinnert an ein Pyramidensystem, ist aber ebenso wenig eines wie Aktien: Diejenigen, die zuerst aussteigen, werden extrem profitieren, wenn andere nachfolgen.

MicroStrategy hat im August 2020 mehrere hundert Millionen Dollar in Bitcoin investiert. Der Betrag hat sich mittlerweile gut vervierfacht. Ähnlich gut lief das Investment von Square. Selbst Tesla, das im Laufe des Januars Bitcoins gekauft hat, dürfte spätestens heute, mit einem Sprung um knapp 10 Prozent, ordentlich im Plus sein.

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Der Ausstieg von Unternehmen aus dem Fiatsystem setzt dieses unter Druck. Je weniger die Unternehmen bereit sind, Dollar zu halten, je weniger sie von ihren Kunden Dollar wollen, desto geringer wird die Nachfrage nach Dollar. Das kann in einer Abwärtsspirale enden: Je geringer die Nachfrage nach Dollar oder Euro, desto geringer der Wert, und desto mehr müssen Zentralbanken Geld erzeugen, damit Staaten Schulden bedienen können und Banken liquide bleiben, und je mehr Geld es gibt, desto weniger ist dieses etwas wert. Und so weiter. Bitcoin ist nicht die Ursache des Niedergangs der Fiatwährungen – aber geleitet diese gerne an ihr Grab.

Das Beispiel Nigeria zeigt, wie rasch Bitcoin eine nationale Währung unter Druck setzen kann, wenn er beginnt, diese in wichtigen Teilbereichen zu ersetzen. Zusammen mit beispielsweise dem Bestreben Chinas, den Yuan als Reservewährung Ostasiens zu etablieren, könnte die Flucht großer Unternehmen in Bitcoin den Niedergang der etablierten Fiatwährungen beschleunigen.

Die große Umwälzung

Gerade ist es noch sensationell, wenn ein Unternehmen Bitcoins hält, auf eine Weise wagemutig, wie man es von tollkühnen Geschäftsleuten wie Elon Musk kennt. Sollte sich der Prozess fortsetzen, wird es als innovativ gelten, dann wird es normal sein, seine Innovativität durch das Bitcoin-Investment zum Ausdruck zu bringen. Schließlich wird es selbstverständlich sein, einen Teil des Firmenportfolios in Bitcoins umzuschichten, und am Ende wird es als wagemutig gelten, dies nicht zu tun.

So muss es nicht kommen. Aber so könnte es kommen, wenn der von MicroStrategy, Square und nun Tesla angestoßene Prozess zum Selbstläufer wird.

Da die Unternehmen, die zuerst kaufen, ungeheuer davon profitieren, wenn andere nach ihnen kaufen, könnte all dies zu einer gewaltigen Umschichtung von Marktmacht führen. Nur ein simples Beispiel: Wie viele Batterien kann Tesla seinen Kunden zum halben Preis geben, wenn sich der Bitcoin-Preis verdoppelt? Wie viele Kilowattstunden kostenlosen Strom kann Tesla den Autokäufern schenken? Wie viele Forscher bezahlen, damit diese bessere Batterien entwicklen und patentieren lassen? Und so weiter.

Wenn dann die deutsche Automobilwirtschaft hinterherzieht, bei, sagen wir, 80.000 Dollar, und ebenfalls Milliarden investiert – dann wird Tesla weitere Milliarden an Kursgewinnen machen. Und so weiter. Wenn dagegen die deutsche Automobilwirtschaft niemals investiert, weil sie verständlicherweise nicht will, dass Tesla gewinnt – sich aber der Prozess dennoch fortsetzt, dann wird sie irgendwann auf wertlosen Euro sitzen. Das ist dann noch schlimmer. Nicht zu investieren, um zu verhindern, dass andere reicher werden, kann ab einem gewissen Moment überhaupt keine Option mehr sein.

Und das passiert nicht nur in der Automobilindustrie. Ab einem gewissen Zeitpunkt wird es keine Branche mehr geben, die nicht in diesen Sog gerät, und in jeder einzelnen werden die Unternehmen, die als erste investieren, die anderen fressen.

Kann es sein, dass gerade eben die größte finanzielle Umwälzung seit Jahrhunderten begonnen hat?

Original source: https://bitcoinblog.de/2021/02/08/tesla-kauft-sich-bitcoins-der-tag-an-dem-bitcoin-unheimlich-wurde/

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