Tesla akzeptiert Bitcoins – und Nassim Taleb findet das ätzend

In den USA kann man die beliebten Elektroautos von Tesla nun auch mit Bitcoin bezahlen. Das wäre schon eine große Nachricht. Doch noch spannender ist, dass Tesla Bitcoins bemerkenswert nativ akzeptiert – frei von den üblichen Mittelsmännern. Doch der Zug ruft auch prominente Nörgler auf den Plan. Einer davon ist im Februar sogar vom Paulus zum Saulus konvertiert.

„Ihr könnt jetzt einen Tesla mit Bitcoins kaufen“, twitterte Tesla-CEO Elon Musk vergangene Woche. Damit eröffnet der Automobilhersteller die Bitcoin-Akzeptanz in den USA, wo Kunden im Onlineshop nun die virtuelle Währung als Zahlungsoption finden. Später in diesem Jahr werde man, so Musk, auch Bitcoins in den Verkauf außerhalb der USA bringen.

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Schon mit diesem Schritt lässt Tesla die Konkurrenz, etwa Mercedes oder Volkswagen, hinter sich. Noch stärker zeigt jedoch die Art und Weise, wie Tesla Bitcoins in den Onlineshop bringt, den Unterschied zwischen einem agilen, aufstrebenden Unternehmen und den etablierten, verkrusteten Mitbewerbern. Elon Musk verkündet dies erneut auf Twitter:

„Tesla benutzt nur eigene & Open-Source-Software & operiert Bitcoin-Nodes direkt. Die an Tesla bezahlten Bitcoins werden als Bitcoin behalten und nicht in Fiatgeld getauscht.“

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Stärker kann eine Firma keinen Support für Bitcoin ausdrücken. Die meisten Unternehmen schützen allerlei Sorgen vor, bevor sie Bitcoins ins Zahlungssystem aufnehmen: Wie tauscht man die Einnahmen, um Verluste durch die Volatilität zu vermeiden? Wie prozessiert man die Zahlungen? Kann man dem Mittelsmann vertrauen? Kurzum – die meisten Unternehmen denken „auf die alte Weise“, bevor sie Bitcoins akzeptieren, weshalb sie es entweder lassen, oder einen Mittelsmann wie BitPay beauftragen, der sämtliche Modalitäten der Zahlung übernimmt, einschließlich der Konversion in Euro oder Dollar, wodurch eine Bitcoin-Zahlung für den Händler identisch mit jeder anderen Zahlung wird und nur noch ein Marketingeffekt verbleibt.

Tesla ist nicht nur das börsenmäßig größte Unternehmen, das Bitcoin akzeptiert – sondern auch eines der wenigen, die Bitcoin wirklich akzeptieren. Kein Mittelsmann, sondern eigene Software, kein automatischer Wechsel, sondern eigene Wallets, kein Blockexplorer, sondern einen eigenen Node. Direkter geht es nicht. Tesla macht Bitcoin damit nicht nur zur Zahlungsoption, sondern zum Zahlungsmittel — und zur Währung, die in die eigenen Bilanzen eingeht, wo das Unternehmen bereits einen erheblichen Teil der liquiden Mittel durch Bitcoins ersetzt hat. Genau gesagt 1,5 Milliarden Dollar.

Eine solche Akzeptanz ist für Bitcoin mehr wert als hunderte von Händler, die von BitPay Euro bekommen. Tesla nimmt durch Bitcoin wirklich ein neues Geld an, und Tesla übergeht durch Bitcoin wirklich die finanziellen Mittelsmänner.

„Covid-leugnende Soziopathen mit dem Niveau von Amöben“

Aber nicht jeder findet das so klasse. Einer, der öffentlichkeitswirksam gegen den Zug ätzt, ist der Philosoph oder Risikomathematiker Nassim Nicholas Taleb, bekannt durch Schwarze Schwäne, Antifragilität und dem Vorwort des „Bitcoin Standard“ seines Landsmannes Saifedean Ammous.

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„Tesla bepreist seine Autos nicht in BTC, wie einige Idioten fälschlich behaupten“, twittert Taleb auf die für ihn nicht unübliche arrogant-plumb-beleidigende Weise. „Tesla bepreist seine Autos in Dollar und rechnet dies für die Transaktion um. BTC ist über Nacht um zehn Prozent gefallen. Man muss schon seeeeeehr ignorant sein, um ein SPEKULATIVES Item als eine ‚Währung‘ oder einen zuverlässigen ‚Wertspeicher‘ zu behandeln.“

Nassim Nicholas Taleb. Bild von Eirik Solheim via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Dass Taleb alle beleidigt, die nicht seiner Meinung sind, dürfte Lesern seiner Büchern spätestens seit „Skin in the Game“ wohlbekannt sein. In diesem Buch erhebt Taleb es zum verborgenen, aber grundsätzlichen Axiom, dass genau das, was er findet, toprichtig ist, und dass all diejenigen, die anders denken als er, moralisch minderwertige Vollpfosten sind.

Aber warum ätzt Taleb plötzlich so sehr gegen Bitcoin, nachdem er die Kryptowährung noch im Vorwort des Bitcoin Standard über den grünen Klee lobte? Bitcoin sei „eine exzellente Idee, so Taleb, denn er erfülle die Bedürfnisse des komplexen Systems, nicht weil er eine Kryptowährung ist, sondern weil er keinen Besitzer hat und es keine Autorität gibt, die über sein Schicksal entscheidet.“ Bitcoin habe sogar einen „riesigen Vorteil“ gegenüber Gold, und auch wenn er derzeit noch zu volatil für eine Währung sein mag, so ist er doch „die erste organische Währung“ und „eine Versicherungspolice gegen eine Orwellsche Zukunft.“

Nun – was geschah? Taleb hat sein „Skin in the Game“ aufgegeben und alle Bitcoins verkauft. Dies gab er am 21. Februar auf, natürlich, Twitter bekannt: „Ich habe alle meine BTC abgestoßen. Warum? Eine Währung sollte niemals volatiler sein als was man durch sie kauft und verkauft. Man kann Güter nicht in BTC bepreisen, daher ist er (zumindest bis heute) gescheitert.“ Und weil es nicht angehen darf, dass Taleb eine Meinung äußert, ohne andere zu beleidigen, fügt er hinzu: „Bitcoin wurde übernommen von Covid-leugnenden Soziopathen mit dem Niveau von Amöben.“

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In dem Satz findet man einen möglichen Schlüssel für Talebs plötzlichen Konversion vom Paulus zum Saulus: Saifedean Ammous, ehemals eine Art Schützling von ihm, hat das Anzweifeln von Wissenschaft zu seinem Markenzeichen gemacht – er zieht über ganz Talebsche Weise über konventionelle Ökonomen her, hält nur Fleisch für gesundes Essen und, vor allem: er zweifelt die Gefährlichkeit von Covid an.

Taleb erntet hier, was er gesät hat. Sein Buch Skin in the Game ist zu weiten Teilen eine Hasspredigt gegen Wissenschaftler, Journalisten und Politiker ist – also gegen jene Gruppe, die derzeit mehr als alle andere vor Covid warnt. Damit hat sich Taleb unbeabsichtigt zum Architekten der Mentalität der Covid-Leugner gemacht. Und das, wo doch seine Risikophilosophie explizit vor Pandemien warnt. Es dürfte für Taleb kränkend sein, dass gerade seine größten Fans ihn so dermaßen falsch verstehen, während diejenigen, über die er herzieht, es scheinbar verstehen. Zeigen Covid-Leugner wie Saifadean Ammous etwa, wie falsch er mit Skin in the Game lag?

„Eine kostenlose Option“

Aber einen interessanten Punkt erwähnt Taleb doch noch: Er weist darauf hin, dass „der Vertrag Tesla eine freie Option gibt“, da Tesla die Wahl hat, in welcher Währung die Erstattung des Kaufpreises bei einer Stornierung geschieht: Wenn Bitcoin fällt, können sie in Bitcoin zurückzahlen, wenn Bitcoin steigt, in Dollar.

Allerdings trifft das nur auf Stornierungen zu. Für den Kunden, der sich mit der Bestellung schon darauf eingelassen hat, seine Coins gegen ein in Dollar bewertetes Auto zu tauschen, dürfte sich der Schaden in Grenzen halten – und wer weiß, wie lästig Stornierungen sein können, dürfte dies für keine allzu arge Ungerechtigkeit halten.

Original source: https://bitcoinblog.de/2021/03/29/tesla-akzeptiert-bitcoins-und-nassim-taleb-findet-das-atzend/

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