„Nicht blinzeln! Blinzle, und du bist tot!“ – oder auf der Blockchain

Seit dieser Woche verkauft „Doctor Who – Worlds Apart“ NFT-Sammelkarten für das kommende Spiel zur britischen Kultserie – mit der Lizenz der BBC.

Die meisten Menschen denken, es sei eine schwierige Frage, welches die beste Fernsehserie aller Zeiten ist. Eine reine Geschmackssache. Der eine mag dies, der andere jenes. Oder?

Auf gar keinen Fall! Die Frage nach der besten Serie ist ziemlich einfach und schon seit vielen Jahren beantwortet: Es ist Doctor Who, die Serie um den Timelord, der, meist in Begleitung einer jungen Britin, in seiner Tardis durch Raum und Zeit reist und pünktlich in London eintrifft, wenn die Menschheit mal wieder vor einer Invasion durch Daleks oder Cybermen gerettet werden muss.

Doctor Who ist fantastievoll und geistreich, trashig und verkopft, humorvoll, lustig und gefühlsdusselig. Ich bin ziemlich sicher, dass 96 Stunden Doctor Who besser gegen eine Depression helfen als jedes Medikament, da der Doctor mit seiner endlosen Neugier und Liebe zur Menschheit eine wundervoll-positive und ansteckende Einstellung ausstrahlt.

Der britische Staatssender BBC hat sich mit der Serie ein Denkmal geschaffen, von dem wir deutschen Gebührenzahler nur neidisch träumen können, wenn wir am Sonntag-Abend beim Tatort gelangweilt wegratzen.

Langer Rede, kurzer Sinn: Der Doctor und all die schrägen und grauenhaften und lieblichen Wesen des Universums kommen auf die Blockchain. Und zwar ganz offiziell, mit der Genehmigung der BBC. Der Fernsehsender hat die Reality Gaming Group schon Mitte des Jahres beauftragt, ein Kartensammelspiel a la Magic The Gathering zu entwickeln, nur eben virtuell, auf der Blockchain, und mit Figuren aus dem Universum von Doctor Who.

Seit dieser Woche hat „Doctor Who – Worlds Apart“ nun die Tore geöffnet.

NFTs – Blockchain-Token für die Sammellust

Das magische Wort sind hier NFTs, kurz für „Non-Fungible Token“, einer der jüngsten Trends im Blockchain-Geschäft im Allgemeinen und auf Ethereum im Besonderen. Wir haben darüber schon berichtet, als die Fantasy-Football-Plattform Soare Spieler des FC Bayern München auf die Blockchain gebracht hat.

NFTs sind nicht-fungibel, was bedeutet, es sind einzigartige Token. Ein übergeordneter Smart Contract schafft diese Token, die jeweils eine ID haben, durch die man im idealen Fall auf der Blockchain nachvollziehen kann, um was es sich bei diesem Token handelt. Bei Soare zumindest lässt sich der Smart Contract daraufhin befragen, welchen Spieler ein Token mit einer bestimmten ID repräsentiert.

NFTs, so die Idee, schaffen digitale Sammlerobjekte. Denn das, was das NFT repräsentiert, ist einzigartig: Es gibt nachweisbar nur eines davon (oder nur eine bestimmte Anzahl). Das erlaubt es, unabhängig von der Datenbank einer zentralen Plattform digitale Wertgegenstände zu schaffen. Die Folie, an der sich alle NFTs messen müssen, sind die legendären CryptoKitties. Auf Plattformen wie OpenSea und Rarible werden zahlreiche NFT-Token mittlerweile gehandelt; vor kurzem gelang es jemandem sogar, ein CryptoKittie-Token als Kollateral für einen 25.000-Dollar-Kredit zu benutzen.

NFTs könnten, so die Story, einer der großen Blockchain-Trends sein.

Die erste Box mit Karten

Das Doctor-Who-Spiel „Worlds Apart“ macht auf den ersten Blick einen anständigen Eindruck: Man meldet sich per Email, Twitter oder Facebook an, loggt sich ein, und kann dann Boxen mit Karten kaufen.

Bevor man loslegt, sollte man eines wissen: Das Spiel ist noch nicht bereit. Es soll erst Mitte oder Ende 2021 losgehen, und ein öffentlicher Marktplatz für die Sammelkarten soll im ersten Quartal des kommenden Jahres eröffnen. Bis dahin kann man nicht mehr machen, als sich Karten zu kaufen, sie im Accout anschauen und sich darüber freuen.

Eine Basis-Box kostet 4,99 Dollar. Natürlich gibt es auch teurere Päkchen, bis hin zur Tardis-Box für knapp 200 Dollar. Je nach Box bekommt man eine bestimmte Anzahl von Karten, die mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit bestimmte Eigenschaften haben. Jeder, der schon einmal ein Sammelkartenspiel gespielt hat, dürfte das kennen.

Bezahlen kann man die Karten mit PayPal, Kreditkarte und Kryptowährungen. Laut Checkout sollten verschiedene Währungen akzeptiert werden, doch ich fand nur die Option, mit Bitcoin zu bezahlen.

Anders als bei anderen Ethereum-basierten Anwendungen verbindet man keine Wallet mit dem Account. Ich habe auch keinen Link gefunden, um mein Token auf der Blockchain anzusehen, oder auch nur den Smart Contract des Spiels. Laut den Machern des Spiels entsteht das NFT auf einer Blockhain – oder wird übertragen – sobald man die Box öffnet.

Auf Anfrage erklären die Entwickler, dass die Token auf einer privaten Fork von Ethereum laufen. Später soll die Blockchain öffentlich werden und an die Ethereum-Mainchain anknüpfen und eventuell auch an Blockchains wie Binance Smart Chain oder Tezos anknüpfen.

Das fand ich ein wenig irritierend; auf der anderen Seite könnte es die Geschichte einfacher machen für Doctor-Who-Fans, die nicht zufällig auch Kryptofans sind, und für die es dementsprechend nicht ganz alltäglich ist, in einer Browser-Wallet Token aufzubewahren. Aber ich hoffe, im nächsten Jahr, wenn der Marktplatz eröffnet, wird es transparenter.

Auf das Spiel an sich darf man gespannt sein. Denn der Anspruch geht darüber hinaus, lediglich ein Kartenspiel auf den Monitor zu bringen. Stattdessen soll es Arenen geben und Schlachtfelder, so dass die Knappheit der Sammelspiele mit der Spieltiefe digitaler Strategiespiele zusammenfindet, und wie bei Computerspielen üblich sollen die Figuren auch mit bestandenen Kämpfen an Erfahrung gewinnen und besser werden. Es steckt also auch noch ein Hauch RPG oder Tamagotshi drin!

Nicht blinzeln!

Natürlich kann man fragen, ob dies sinnvoll ist. Wird überhaupt ein Hahn außerhalb der Kryptoszene nach den Karten krähen? Oder werden sie, wie Blockchain-Kritiker und Doctor-Who-Fan David Gerard prophezeit, kurz nach dem Start „leise vergessen werden“? Gerard kennt keinen Beweis dafür, dass irgendjemand außerhalb der Blockchain-Szene digitale Sammelstücke kauft, sondern erkennt nur „rasende Marktschreier, die versuchen, den neuesten heißen Scheiß zu verkaufen.“

Kann man sicherlich so sehen, wenn man will. Ich für meinen Teil finde, digitale Sammelstücke wirken wie eine sinnvolle Anwendung für Blockchains, und war aufgeregt, als ich meine Box mit fünf Doctor-Who-Karten öffnete. Zu meiner Freude fand ich darin Martha Jones, eine der charmantesten, wenn auch nur kurzzeitigen Begleiterinnen des Doctors – und passend dazu und zu meinem Entsetzen, den fürchterlichsten Feind, dem Martha und der Doctor in ihrer Staffel begegnen – einen weinenden Engel.

Original source: https://bitcoinblog.de/2020/12/09/nicht-blinzeln-blinzle-und-du-bist-tot-oder-auf-der-blockchain/

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