Haben Bitcoin und andere Kryptowährungen endlich den Boden gefunden?

Letzte Woche sind die Kurse für Kryptowährungen erneut gefallen. Die meisten Coins haben ihr bisheriges Tief für das Jahr 2018 erreicht, manche sind sogar auf den tiefsten Stand der letzten 12 Monate gesunken. Solche Verlustraten werden nur von einer Währung der Welt getoppt – könnten aber ein Hinweis darauf sein, dass die Kurse langsam einen neuen Bode ausbilden. Es wäre an der Zeit.

Für Kryptoinvestoren dürfte die vergangene Woche alles andere als erfreulich gewesen sein. Die Preise fast aller Kryptowährungen sind weiter eingebrochen, und die Marktkapitalisierung aller Coins hat mit etwa 186 Milliarden Dollar den tiefsten Wert in diesem Jahr erreicht. Pfui.

Die gesamte Marketcap aller Kryptowährungen im 12-Monats-Schnitt. Quelle: Coinmarketcap.com

Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Bitcoin ist auch bei diesem Einbruch nicht unter 5.400 Euro gefallen, womit die führende Kryptowährung ihr bisheriges Tief des Jahres 2018 von 5.150 Euro nicht unterboten hat. Das sollte jedem Mut geben, der darauf wartet, dass Bitcoin einen Boden gefunden hat. Der Wert von 5.000 Euro scheint recht stabil zu sein, was eine ziemlich gute Nachricht ist, wenn man bedenkt, dass solche Kurse erst im November 2017 erreicht wurden. Im Jahresdurchschnitt sind Bitcoin-Investoren damit weiterhin in der Gewinnzone.

Eurokurs von Bitcoin im Lauf der letzten 12 Monate. Quelle: Bitcoin.de

Dieses Glück teilen nicht alle Kryptowährungen. Ethereum zum Beispiel ist auf bis zu 150 Euro gefallen und steht derzeit bei knapp 190 Euro. Damit hat Ethereum nicht nur einen neuen Tiefpunkt für 2018 entdeckt, sondern auch für die letzten 12 Monate. Ethereum ist heute billiger als noch vor einem Jahr; zum letzten Mal stand der Preis im Juli 2017 so tief wie heute. Warum Ethereum trotz eines interessanten und erfolgreichen Jahres eine so durchwachsene Performance hinlegt, ist schwer zu erklären.

Nicht so schön: 12-Monats-Kurs von Ethereum. Quelle: Bitcoin.de

Immerhin ein Stückchen besser sieht es bei Bitcoin Cash aus. Nachdem der Kurs auf unter 400 Euro gefallen ist, wurden zwar auch hier Rekordtiefwerte für das Jahr 2018 ausgelotet. Aber wenigsten ist der Preis nicht auf ein 12-Monats-Tief gesunken. Bis November 2017 hat sich Bitcoin Cash in einem Korridor zwischen 300 und 400 Euro bewegt. Damit bleibt im Jahresschnitt noch ein Stückchen Plus.

Relativ ähnlich sieht die Bilanz bei Kryptocoins wie IOTA aus: Der bei Experten umstrittene, aber von seinen Fans und offenbar auch der deutschen Industrie geliebte Tangle-Coin hat mit dem Sturz auf 0,51 Dollar-Cent deutlich den bisherigen Tiefpunkt des Jahres von 0,41 Dollar-Cent verpasst. Mit aktuell 58 Dollar-Cent steht IOTA etwas, aber nicht viel besser dar, als im Herbst 2017. Wer vor einem Jahr investiert hat, dürfte darum zittern, ein neutrales Ergebnis zu bekommen.

Zcash-Kurse auf coinmarketcap.com.

Die beiden Privacy-Coins Dash und Zcash hingegen sind im 12-Monats-Chart schon deutlich im Minus. Dash war vor einem Jahr noch mehr als 350 Dollar wert und raunzt nun bei weniger als 200 herum; Zcash stand vor einem Jahr noch bei knapp 200 Dollar und ist derzeit auf direktem Weg in den zweistelligen Bereich. Der beliebteste Privacy-Coin, Monero, hingegen scheint sich über 100 Dollar zu halten, womit er ein Stück über den Kursen von vor einem Jahr liegt.

12-Monatskurs von Dash

Man könnte den Kursverlauf so interpretieren, dass Kryptowährungen auf dem Weg sind, einen Boden zu finden. Bitcoin hat ihn vielleicht schon erreicht, viele andere Währungen hingegen nicht; generell trennt sich in diesem Bärenmarkt die Spreu vom Weizen. Rein akademische Projekte wie Zcash, die so gut wie keine praktische Nutzung haben, erhalten auch rein akademische Werte; und Ethereum wird zwar rege für Smart Contracts und Token benutzt, aber dies scheint den Ether selbst offenbar nicht so viel Wert zu geben, wie Bitcoin seine Nutzung als digitales Bargeld und als Wertspeicher.

Wobei der Begiff “Wertspeicher” hier eher mit Skepsis verwendet werden sollte. Bitcoin hat seit Anfang des Jahres etwa 52 Prozent verloren. Das ist nur gut, wenn man es mit anderen Kryptowährungen vergleicht. Ethereum hat 72 Prozent verloren, Bitcoin Cash sogar mehr als 80. Kryptowährungen sind 2018 hochinflationär.

Übertroffen werden die Inflationsraten der Kryptowährungen lediglich vom Bolivar von Venezuela, dessen Wert in einer Hyperinflation einschmilzt. Auch andere Währungen kriseln, etwa das Pfund im Südsudan, der Peso in Argentinien, der Kwanza in Angola oder die türkische Lira. Allerdings fallen auch diese Währungen weniger schnell als Bitcoin und die andere Kryptowährungen. Bitcoin Cahs und Ether beispielsweise schneiden selbst im Vergleich zu Krisenwährungen deutlich schlechter ab, während Bitcoin immerhin nicht allzu stark verliert. Als Inflationsschutz scheitern Kryptowährungen in diesem Jahr krachend.

Insgesamt könnte man hoffen, dass der letzte Crash der war, der Kryptowährungen in Bodennähe gebracht hat. Aber eine Garantie dafür gibt es, natürlich, nicht. Eindeutige Signale für eine Trendwende hin zu wieder steigenden Kursen – etwa ein heftiges Anziehen des Handelsvolumens – bleiben bisher aus, weshalb es eher unwahrscheinlich ist, dass die Preise von hier aus wieder nachhaltig aufwärts ziehen. Für Investoren dürfte es daher eine gute Nachricht sein, wenn die Kurse bis zum Ende des Jahres einigermaßen stabil bleiben.

Original source: https://bitcoinblog.de/2018/09/17/haben-bitcoin-und-andere-kryptowaehrungen-endlich-den-boden-gefunden/

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