EZB möchte mehr Helikoptergeld für Vermögende

Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigt eine neue Geldpolitik an. Für Sparer sollte dies das letzte Signal sein, aus dem Euro zu flüchten. Denn das Geldsystem, zu dem Bitcoin die Alternative ist, entblößt sich immer stärker selbst.

Derzeit sorgt Christine Lagarde mit Andeutungen über die künftige Geldpolitik für Unruhe. Die Augsburger Allgemeine unterstellt der Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) „ein gefährliches Spiel“ mit dem Euro zu treiben; die WELT wirft ihr vor, die Zentralbank freiwillig der Politik zu unterwerfen.

Worum genau geht es? Und was droht, mit dem Euro zu passieren?

Anlass ist eine Rede in Frankfurt Anfang Oktober. In ihr hatte Lagarde einige Überlegungen zu einem Kurswechsel der geldpolitischen Strategie der EZB geäußert.

Preisstabilität gefährdet Preisstabilität

Lagarde stellt in ihrer Rede fest, dass die Strategie der EZB, wie sie 2003 formuliert wurde, mittlerweile von mehreren Seiten herausgefordert wird.

Das primäre Ziel der EZB ist es, die Preisstabilität in der Euro-Zone zu erhalten. Was das aber konkret bedeutet, hängt davon ab, wie man Preisstabilität definiert. Mit der 2003 geprägten Formulierung gilt sie als eine Inflation von „weniger als, aber nahe bei zwei Prozent“. Die Absicht dieser Formulierung war, Inflation zu vermeiden, aber gleichzeitig einen ausreichenden Puffer über der Nullzone zu erhalten, damit die geldpolitischen Instrumente der EZB scharf bleiben.

Das jedoch ist, so Lagarde, heute nicht mehr angemessen. In der Eurozone sei die jährliche Inflation von durchschnittlich 2,3 Prozent von 1999 bis 2008 auf 1,2 Prozent im letzten Jahrzehnt gefallen. Nicht länger die Inflation ist das Problem – sondern der Mangel derselben. Es werde zunehmend wichtig, für einen ausreichenden Abstand zur Nullmarke zu sorgen, um „die konventionelle Geldpolitik wieder zu stärken.“

Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB). Bild von Valsts kanceleja/ State Chancellery via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Darüber hinaus möchte Lagarde über den Zeithorizont nachdenken, über den Preisstabilität zu erreichen ist. In einer unschuldig-akademisch klingenden Formulierung serviert sie dann die Bombe, über die sich unter anderem die Augsburger Allgemeine beunruhigt: Man diskutiere derzeit, ein in die Vergangenheit blickendes Element „in den Horizont der Politik aufzunehmen, um auf die Umstände niedriger Inflation zu reagieren.“ Zentralbanken könnten sich dazu verpflichten, „Inflation auszugleichen, wenn sie für einige Zeit unter ihren Inflationszielen verblieben sind.“

Erst im September hatte die US-Zentralbank FED exakt diesen Politikwechsel angekündigt: Wenn die Inflation einige Jahre unter zwei Prozent war, soll sie für die kommenden Jahre über dieser Marke liegen. Eine solche Strategie, meint Lagarde, könne „die Kapazität der Geldpolitik stärken, die Wirtschaft zu stärken“, wobei sie auf ein Paper der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BiZ) verweist, das den Einfluss eines „durchschnittlichen Inflationsziels“ auf die makroökonomische Stabilität und den gesellschaftlichen Wohlstand“ untersucht.

Eine Geldentwertung mit Ansage

Die Botschaft von Lagarde ist ziemlich eindeutig: Die EZB sieht derzeit die größte Gefahr für die Preisstabilität in – zu stabilen Preisen. Die EZB war zu gut darin, Inflation zu verhindern – wenn man ihrer Messung der Preissteigerung Glauben schenkt – so dass der Mangel an Inflation zu einem Problem für die Realwirtschaft war. Daher soll die EZB ihre Definition von Preisstabilität dementsprechend ändern, dass es zu ihrem offiziellen Ziel wird, die Inflation anzutreiben – also das Geld zu destabilisieren.

Keiner kann sagen, die EZB hätte dieses Ziel verschleiert; jeder sollte wissen, dass die Zentralbank offiziell plant, dafür zu sorgen, dass das Geld, das man heute verdient, in einem Jahr weniger wert ist.

Die Folgen sind längst bekannt und dürften niemanden mehr überraschen: Je lockerer die Geldpolitik der Zentralbank, desto stärker steigen die Vermögenswerte wie Aktien, Immobilien, Gold und Kryptowährungen. Schon jetzt, mit einer – angeblich – nicht-existenten Inflation schießen die Vermögenswerte immer weiter nach oben und vertiefen die Kluft zwischen den Vermögenden und den Nicht-Vermögenden. Dieser Prozess wird sich noch verstärken, wenn die EZB tatsächlich auf Teufel komm‘ raus versuchen wird, die Inflation auf drei Prozent zu prügeln. Die einen bekommen Freigeld, die anderen nicht.

Vielleicht möchte die Zentralbank tatsächlich eine Politik für Wohlstand und Beschäftigung machen – auch wenn dies nicht ihr Mandat ist. Ihr sollte aber klar sein, dass ihre Geldpolitik droht, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu zerreissen und uns in eine Reichtumsverteilung zurückzuführen, wie man sie aus der Vormoderne kannte.

Als Einzelner kann man nicht viel dagegen machen. Man kann, wie nun sogar schon die Augsburger Zeitung, empörte Artikel schreiben, und man kann sich dafür einsetzen, dass Bitcoin oder eine andere Kryptowährung mit algorithmisch definierter Geldmenge das Fiatgeld ablöst.

Bis es soweit ist, sollte jeder das machen, was vermutlich alle Mitarbeiter der EZB tun: Dafür sorgen, dass das persönliche Vermögen in Zukunft nicht am Euro hängt. Denn das Medium, in dem man spart – Geld oder Vermögenswert – wird darüber entscheiden, auf welcher Seite man in Zukunft steht. So bitter es sein mag, aber so läuft das Spiel des Fiatgeldes.

Original source: https://bitcoinblog.de/2020/10/13/ezb-mochte-mehr-helikoptergeld-fur-vermogende/

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