BitPay wird bald auch Ethereum akzeptieren

Der weiterhin größte Bitcoin-Zahlungsdienstleister der Welt, BitPay, hat angekündigt, demnächst auch Ethereum zu akzeptieren. Damit wird BitPay weiter zu einer Multicoin-Zahlungsschnittstelle. Der Plan ist jedoch, in Zukunft mit Fiat-Stablecoins zu arbeiten.

BitPay war das erste Unternehmen, das Bitcoin zu Händlern gebracht hat. Seit Ende 2013 bietet BitPay den Händlern zudem an, die Bitcoins in die lokalen Währungen zu wechseln, womit die Firma das Risiko der volatilen Wechselkurse anstelle der Händler trägt. Mit diesem Konzept hat BitPay seit 2014 eine Welle der Bitcoin-Akzeptanz ausgelöst, die allerdings in den letzten ein bis zwei Jahren zum Erliegen gekommen ist.

Für BitPay ist seit spätestens Mitte 2017 klar, dass es gewisse Probleme zwischen ihrem Geschäftsmodell und dem Weg von Bitcoin gibt: Die hohen Gebühren und die geringe Kapazität machen den Zahlungsvorgang für BitPay in den meisten Fällen nicht nur aufwändig, sondern erschweren es auch, dass BitPay überhaupt in die Lage kommt, Gewinn machen zu können. Daher hat BitPay fast von Anfang an Bitcoin Cash akzeptiert. Allerdings hinkt die Akzeptanz von Seiten der User schwer hinterher – die meisten Zahlungen laufen weiterhin mit Bitcoin.

Nun öffnet sich BitPay also einem dritten Coin: Ethereum. Die Firma nennt dafür drei Gründe: „Erstens und vor allem, weil viele unserer Händler, Kartenbesitzer und Wallet-User danach gefragt haben. Zweitens, weil Ethereum nach Bitcoin den zweithöchsten Marktanteil hat. Drittens, weil wir über das Ethereum-Netzwerk bald auch in der Lage sein werden, ERC20-Token, vor allem Stablecoins, zu akzeptieren.“

Vermutlich ist der dritte Punkt, die Stablecoins, sehr bedeutsam. Schon seit dem vergangenen Jahr wickelt BitPay das Settlement seiner Kunden über Stablecoins wie Paxos, USDC und GUSD ab. Wenn nun die Kunden selbst mit Stablecoins bezahlen, kann sich BitPay den Wechsel sparen. Wenn Kunden mit Ether – der nativen Währung von Ethereum bezahlen – kann BitPay die Ether über dezentrale Börsen automatisiert gegen Stablecoins auf der Ethereum-Blockchain verkaufen. Eventuell könnte man den Verkauf auch direkt in die Kundenzahlung einprogrammieren.

Ob Ethereum dafür aber wirklich die optimale Blockchain für BitPay ist, dürfte fraglich sein. Denn seit die Tether-Dollar auf Ethereum migriert sind, nehmen sie einen immer beträchtlicheren Teil der Transaktionskapazität ein. Damit einhergehend steigen die Gebühren – mittlerweile erwirtschaften die Ethereum-Miner am Tag ähnlich hohe Gebühren wie die Bitcoin-Miner – und die Kapazität wird knapp. Es passiert also genau das, was BitPay eigentlich bei Bitcoin vermeiden wollte. Die großen und wichtigen Smart Contract Transaktionen verdrängen die alltäglichen Klein- und Mittelzahlungen.

In der Bitcoin-Szene macht sich der Zahlungsdienstleister damit weiter unbeliebt. BitPay zog schon mit seinem Engagement für SegWit2x im Jahr 2017 die Wut auf sich; die Akzeptanz von Bitcoin Cash hat es nicht besser gemacht, und die verpflichtende Nutzung des Payment Protokolls für Kunden führte endgültig zum Bruch zwischen der Bitcoin-Szene und BitPay. Dass die Firma vor kurzem für Zahlungen über 1000 Dollar eine verpflichtende Kunden-Identifizierung eingeführt hat, spielt hier kaum noch eine Rolle. Die Bitcoin-Szene wirbt ohnehin schon lange dafür, BitPay den Rücken zu kehren und stattdessen den selbstgehosteten BTCPayServer zu verwenden. Es dürfte daher folgerichtig sein, wenn sich BitPay mit der Akzeptanz von Ethereum selbst weiter von der Bitcoin-Szene entfernt.

Original source: https://bitcoinblog.de/2019/09/20/bitpay-wird-bald-auch-ethereum-akzeptieren/

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