BitBucks: Die perfekte App, um einfach mal mit Bitcoin zu bezahlen?

Eine neue App erlaubt es, Bitcoins gebührenlos und in Echtzeit zu versenden. Das ist umheimlich praktisch und bequem – aber auch ziemlich zentralisiert. Für einige Fälle dürfte es dennoch die beste Methode sein, um Bitcoin derzeit zu verwenden.

Auch nach zehn Jahren lässt die Userfreundlichkeit bei Bitcoin zu wünschen übrig. Leider. Wer in den letzten Monaten mal versucht hat, einen Neuling einzuführen, indem er ihm einfach ein bißchen Bitcoin überweist, kennt die Probleme: Onchain sind die Gebühren so hoch, dass der eben noch begeisterte Newbie rasch enttäuscht ist vom „Zahlungsmittel der Zukunft“, und mit Lightning krankt es daran, dass die Wallet zunächst eingehende Liquidität braucht, wofür allein schon der Grund haarsträubend kompliziert zu erklären ist.

Was tun? Eine interessante Lösung bietet BitBucks an. Das ist eine Wallet-App, die, ganz offensichtlich, fürchterlich zentralisiert ist: Die Bitcoins liegen auf dem Server von BitBucks; es sind nicht deine Schlüssel, und damit auch nicht deine Coins. Punkt. Aber man kann darüber streiten, wie wichtig es für den einzelnen ist, seine eigene Bank zu sein. Ist es wirklich schlimm, darauf zu verzichten, wenn es nur darum geht, mal ein Getränk zu bezahlen oder jemandem die ersten Brösel Bitcoin zu schenken? Könnte das nicht auch eine der „Bitcoin Banken“ machen, über die schon der „zweite Miner“ Hal Finney 2009 geschrieben hat?

Das Userinteface von BitBucks ist auf das wesentliche reduziert.

Die Macher von BitBucks machen keinen Hehl aus dem Umstand. Sie sagen explizit, dass es eine zentralisierte App ist, die dafür gemacht wurde – und zwar nur dafür – alltägliche Zahlungen mit Bitcoin zu tätigen. Und zwar nur mit Bitcoin. Warum, erklärt Frank Meier, der Gründer von BitBucks: „Bitcoin ist mit seinem Netzwerkeffekt und seinem seit 10 Jahren hochstabilen Zahlungsnetzwerk absolut einzigartig. Es wäre fatal, nur wegen der Transaktionsgeschwindigkeit auf eine andere Blockchain zu wechseln.“ Man könnte sagen, BitBucks ist die Bitcoin Bank für Maximalisten. Oder, besser gesagt: Der Geldbeutel. Frank meint, die App sei für Beträge wie 20, 50 oder 100 Euro geplant, nicht für Ersparnisse.

Es ist also zentral, und man muss BitBucks vertrauen. Dafür bekommt man eine beeindruckende Userfreundlichkeit. Ehrlich gesagt bin ich sogar begeistert; ich kenne wenige Bitcoin-Apps, die so einfach zu bedienen sind. Die App ist in wenigen Sekunden installiert, man muss keine PIN bestimmen, es gibt kein Passwort, keinen Seed zu notieren. Man aktiviert die App mit einem per SMS versandten Code. Dann kann man Bitcoin empfangen und versenden. Wenn man will, gibt man ihr Zugriff auf das Telefonbuch. Wenn diese Hürde überwunden ist, kann man seinen Kontakten Geld senden. Wenn die noch keine BitBucks Wallet haben, bekommen sie per SMS eine Einladung. Das ist schon mal recht praktisch.

Der Kern der Sache – und das, was BitBucks vielleicht kontrovers macht – ist aber das, was bei der Zahlung passiert: Anstatt die Transaktion auf die Blockchain abzuladen, prozessiert BitBucks sie intern. Also in der eigenen Datenbank. Wenn man von BitBucks-User zu BitBucks-User bezahlt, ist das Geld im Bruchteil einer Sekunde da, kostet keinen Cent Gebühr – und verursacht keinen Netzwerk-Traffic. Dazu hat man noch die Option, eine kurze Nachricht an die Zahlung anzuhängen. Auch das ist natürlich ein Plus für die Usererfahrung, den BitBucks aus der Zentralisierung auf einen Server zieht.

Ich habe versucht, einigen Kontakten in meinem Telefonbuch, die noch nichts mit Bitcoin zu tun haben, einige Euro zuzuschicken. Die App versendet dann eine SMS in meinem Namen, in der steht, dass der Empfänger Geld empfangen hat und durch den Download der App abholen kann. Die meisten haben leider nicht darauf reagiert, auf Nachfrage meinten sie, sie hätten es für Spam gehalten. Man sollte hier entweder eine persönliche Nachricht mitschicken – das geht, habe ich aber übersehen – oder seine Kontakte informieren. Danach wird es ganz einfach, Bitcoin für kleine Zahlungen zu verwenden. Man kann so zum Beispiel Beträge ausgleichen, die man sich mit Freunden und Verwandten mal leiht.

Dass es keine Hindernisse gibt, liegt allerdings auch daran, dass BitBucks unreguliert ist. Die App wird von einer Stuttgarter Agentur herausgegeben, weshalb zu erwarten ist, dass sich das in Zukunft ändern wird. Gut möglich, dass man sich einmal ausweisen muss – generell oder ab einem gewissen Schwellenbetrag – auch wenn die Telefonnummer je nach Land zumindest eine gewisse Identität beweist. Auch dies ist ein Grund, weshalb man BitBucks zumindest vorerst nur für kleine Beträge verwenden sollte.

Ich bin mir nicht ganz sicher, was ich von BitBucks halten soll. Auf der einen Seite ist die App natürlich zentralisiert und gibt eine der wesentlichen Eigenschaften von Bitcoin auf – dass man seine Schlüssel selbst besitzt. So etwas wie BitBucks ist nur notwendig, wenn die Gebühren auf einer Blockchain zu hoch sind für kleine Alltagszahlungen; auf anderen Blockchains, wie Bitcoin Cash und Bitcoin SV, würde es überhaupt keinen Sinn geben. Daher könnte man es als einen Rückfall in die Zentralisierung betrachten, der – hoffentlich – eher eine Übergangslösung ist, bis die Blocksize entweder angehoben oder Lightning wirklich benutzerfreundlich ist.

Auf der anderen Seite bin ich froh, eine Möglichkeit zu haben, auf eine einfache Weise Bitcoins zwischen Freunden und Verwandten hin und her zu schicken. Wenn es nur um Kleingeld geht – kann man dann nicht auch ein (großes) Stück Zentralisierung in Kauf nehmen?

Original source: https://bitcoinblog.de/2019/09/18/bitbucks-die-perfekte-app-um-einfach-mal-mit-bitcoin-zu-bezahlen/

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