„Bis heute war die Kunstwelt ein sehr exklusiver Markt, der nur einigen glücklichen Ausgewählte offen stand.“

Einer der jüngsten, aber derzeit stärksten Trends in der Krypto-Welt sind „NFTs“: Nicht-fungible Token. Diese Token sind derzeit gerade dabei, vor allem den Markt für digitale Kunstwerke zu revolutionieren. Wir werfen einen Blick auf das Phänomen und unterhalten uns mit zwei Künstlern, die ihre Werke bereits tokenisiert haben.

Non-fungible-Token, kurz NFTs, sind derzeit einer der großen Blockchain-Trends. Die etwas sperrige Bezeichnung meint digitale Token auf einer Blockchain, die individuell sind. Während bei Bitcoin, Ether, Euro oder Aktien jede Einheit der anderen gleicht wie ein Ei dem anderen (zumindest theoretisch), ist jedes NFT ein einzigartiges Mitglied einer Familie von Token.

Begonnen hat der Trend bereits mit den CryptoKitties im Jahr 2017, blieb aber relativ lange eher eine Spielerei. In den letzten Monaten jedoch scheinen die NFTs diesem Stadium entwachsen zu sein. Ein boomender Markt ist entstanden, auf dem sich Plattformen für den Handel mit NFTs, deren Herausgeber und Käufer treffen. Unter den Herausgebern findet man immer öfter auch Künstler, Institutionen und Promis von Rang und Namen, die mit den Token gutes Geld verdienen.

Beispiele wären Mike Shinoda von Linkin Park, der sein Kunstwerk „One Hundredth Stream“ auf zora.co anbietet; das It-Girl Lindsay Lohan verkaufte ein Lightning-Kunstwerk auf Rarible für 10 Ether; der Youtuber Logan Paul nahm innerhalb kürzester Zeit 3,5 Millionen Dollar durch den Verkauf von NFTs ein; Justin Roiland, der Schöpfer der Fernsehserie „Rick and Morty“, verdiente durch eine als NFT auf niftygateway.com verkaufte Zeichnung 150.000 Dollar; das traditionelle britische Auktionshaus Christie’s plant, ein Werk des Internet-Künstlers beeple als NFT zu verkaufen; die Tokenisierung von NBA-Stars brachte den Herausgebern mittlerweile gut 200 Millionen Dollar ein; Elon Musks Partnerin Grimes verdiente an ihrer tokenisierten Kunst auf Nifty Gateway in Minuten sechs Millionen Dollar; dass Figuren der Serie Doctor Who als Sammelkarten tokenisiert wurden, haben wir hier bereits berichtet, wie auch über die NFTs von Fußballstars, auch von deutschen Top-Vereinen. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Die meisten NFTs laufen auf Ethereum, wo der Trend entstanden ist. Doch mittlerweile gibt es auch NFTs auf anderen Blockchains, von Polkadot über Binance Smart Chain zu Tezos und anderen. Gehandelt werden die NFTs auf mehreren Marktplätzen. Open Sea und Rarible sind eher Gemischtwarenläden, die einen guten Überblick über das Spektrum von NFTs geben: digitale Kunst, Domains auf Blockchains, Grundstücke und Güter in virtuellen Welten, Sammelkarten, Sammelstücke, Sport-Token und „Nützliches“. Die meisten anderen NFT-Marktplätze hingegen fokusieren sich auf eine Sparte. So findet man bei Nifty Gateway, MakersPlace, SuperRare und ArtBlocks vor allem digitale Kunst, während Plattformen wie Sorare, Cryptopunk oder Hashmasks nur ihre eigenen Produkte vertreiben. Daneben gibt es noch zahlreiche weitere Marktplätze.

Das Thema ist dermaßen breit, dass man es kaum mehr umfassen kann. NFTs, die Grundstücke in virtuellen Welten repräsentieren, könnten zur Blaupause für die Tokenisierung echter Immobilien werden; NFT-Sammelkarten-Spiele könnten die klassischen Sammelkarten mit digitalen Spielen verbinden und viel interessanter machen; in Computerspielen können Ausrüstungsgegenstände tokenisiert werden, um einen lebendigen Markt für diese zu schaffen; und so vieles mehr: Alles, was ist, kann digitalisiert und tokenisiert werden. Die Möglichkeiten sind endlos, und wie so oft, ist die Wirklichkeit, die der Markt schafft, viel aufregender als das, was die Phantasie ausspuckt.

Hier jedoch geht es um Kunst. Wir haben mit zwei Künstlern, die NFTs herausgeben, geredet, um zu erfahren, welche Rolle die NFTs für Künstler spielen.

„Da ist etwas, das das Herz erwärmt, wenn man etwas, das man geschaffen hat, gegen Crypto verkauft.“

DidiMx ist eine Londoner Künstlerin, die aus ihren schönen Jugenderinnerungen Kunst in einem Pixel-Stil macht. Auf OpenSea bietet sie mehrere Kollektionen an, etwa ein Deck von 52 Spielkarten in einem minimalistischen Stil.

Die Künstlerin hat Blockchain und NFTs schon ein weilchen beobachtet, da sie sich für neue Technologien interessiert. Dabei „wurde mir klar, wie schwierig es ist, etwas digital zu verkaufen, egal wie schön es ist. Als NFT-Marktplätze wie Open Sea und Rarible auftauchten, begriff ich, dass diese Technologie Künstlern nun erlaubt, ihre Kunst an ein globales Publikum zu verkaufen, wie es noch nie möglich war.“

Die Bitcards auf Open Sea.

Der Prozess, ihre Kunstwerke auf eine Blockchain zu stellen, war geradlinig und einfach: „Ich habe meine MetaMask-Wallet mit der Webseite verbunden und konnte dann mein erstes NFT erzeugen. Man wählt aus, dass es Kunst ist, gibt einen Namen, eine Beschreibung und Eigenschaften ein, alles, was man hinzufügen will, und klickt dann auf ‚mint‘. So einfach ist das.“ Danach gibt man einen Preis ein, zu dem man das NFT verkaufen möchte, sowie eine Gebühr für den Sekundärmarkt – „eine weitere revolutionäre Sache für Künstler. Ich verlange 10 Prozent.“ Jedesmal, wenn ein Werk von DidiMx weiterverkauft wird, erhält sie einen Anteil. Die mit der Urheberschaft verbundenen Erträge müssen nicht eingeholt werden – sie sind Bedingung jeder Transaktion.

Das, was danach geschah, übertraf ihre Erwartungen. „Worte reichen nicht aus, um die Freude zu beschreiben, die ich empfand, als die ersten Verkäufe einliefen. Da ist etwas, das das Herz erwärmt, wenn man etwas, das man geschaffen hat, gegen Crypto verkauft.“ Bisher hat Didi sieben Karten verkauft, zu Preisen zwischen 0,1 und 0,5 Ether. Auf dem Zweitmarkt jedoch werden sie zu Preisen zwischen einem und 200 Ether angeboten. Ihren Erfahrungen mit Ethereum sind überwiegend gut – außer den Gaspreisen, welche, meint Didi, von den DeFis getrieben werden, bei denen Latenzen und schnelle Bestätigungen so wichtig sind, dass die Trader auch gerne hohe Gebühren bezahlen. Die Künstlerin freut sich daher darüber, dass es mittlerweile auch andere NFT-Plattformen auf anderen Blockchains gibt, was die Transaktionsgebühren erheblich senken kann.

Für Didi reisst die Blockchain Barrieren im Kunstmarkt nieder: „Bis heute war die Kunstwelt ein sehr exklusiver Markt, der nur einigen glücklichen Ausgewählten offen stand. Nicht jeder hat die Resourcen, um eine Ausstellung zu veranstalten oder eine Gallerie zu mieten, um seine Arbeit zu präsentieren.“ Mit Blockchains und Smart Contracts kann jeder Künstler nun seine Kunst an ein weltweites Publikum verkaufen. Damit hat die Technologie die Kunst bereits verändert. „Wir haben nun die engste mögliche Verbindung zwischen Künstlern und Sammlern, eine Rolle, die vor der Blockchain dritte Parteien ausgefüllt haben. Diese starke Verbindung setzt Künstler schon heute in die Lage, sich selbst treu zu bleiben und dennoch fair bezahlt zu werden.“ Didi erwartet daher, dass der Trend anhält und sich ausweitet, etwa dass Unternehmen im Gaming und der Unterhaltung ihre Urheberrechte tokenisieren.

„Ich begriff rasch, dass dies ein wachsender Markt ist mit guten Gelegenheiten, Kunst zu monetarisieren.“

Ein weiterer Künstler, der NFTs benutzt, ist Uwe Dressemann. Er malt unter dem Thema „ARTgenossen….verortet im digitalen Zeitalter“ seit zehn Jahren mit Acryl auf Leinwand. „Unsere digitale Kunst ist eine Mischung aus animiertem 3D und 2D, erzählt aber immer eine Story über die Interaktion von Menschen und Computer sowie gegenwärtigen Weltereignissen,“ erklärt der Künstler. Seine Kunst soll Leute animieren, über die Zukunft nachzudenken.

Einige digitale Kunstwerke von Uwe Dresemann auf Superrare.

Vor etwa zwei Jahren näherte er sich auf künstlerische Weise der Bitcoin-Szene. Zunächst verkaufte er analoge Kunst über eine Webseite und akzeptierte auch Kryptowährungen. Dann begann er, digitale Kunst zu entwickeln und diese auch zu tokenisieren. „Für mich ist es von zentraler Bedeutung, einen Urheberschafts-Beweis auf der Blockchains zu verewigen. Ich begriff rasch, dass dies ein wachsender Markt ist mit guten Gelegenheiten, Kunst zu monetarisieren.“ Als buzzlightning verkauft seine Kunst auf Superrare, KnownOrigin, AsyncArt, Open Sea, Rarible, NFTshowroom, Bullionix und der Blockchain Art Exchange. Die Einnahmen waren bisher in Ordnung – es hätte auch mehr sein dürfen – „doch zusammen mit den Gebühren des Zweitmarktes und dem steigenden Wert der Kryptowährungen bin ich doch sehr zufrieden.“

Die Benutzung der Plattformen fand er auch sehr einfach. Das Browser-Plugin Metamask macht es einfach, mit der Ethereum-Blockchain zu interagieren, und die Benutzeroberflächen der Plattformen werden immer besser. Daher wird es immer einfacher und intuitiver, mit NFT-Token zu arbeiten, sowohl für Künstler als auch Sammler. Auch Uwe meint, dass die Blockchain die digitale Kunst bereits verändert hat. „Schau‘ dir als ein Beispiel die AsyncArt-Plattform an. Dort kann man ein Basis-Werk ändern, indem man weitere Schichten hinzufügt … und generell, es ist ein großartiges Instrument für uns Künstler, um die Herkunft eines Werkes zu bewiesen und automatisch Gebühren zu erhalten, wenn es weiterverkauft wird.“

Original source: https://bitcoinblog.de/2021/03/04/bis-heute-war-die-kunstwelt-ein-sehr-exklusiver-markt-der-nur-einigen-gluecklichen-ausgewaehlte-offen-stand/

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