Als Reaktion auf Terror: Auch die EU möchte eine Backdoor in Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Nachdem einige islamistische Wahnsinnige in Europa Terror verbreitet haben, möchte die EU zurückschlagen. Eine geplante Resolution zu Verschlüsselung wird aber vor allem die Datensicherheit der anständigen Bürger beschädigen.

Immer wieder dasselbe: Auf die Idiotie folgt die Idiotie. Und danach legen die Idioten erst richtig los. Ich muss gestehen, ich bin am Verzweifeln, und daher ist dieser Beitrag ziemlich subjektiv und meinungsgeladen und unter einer gewissen Perspektive auch polemisch.

Also: In Frankreich meint ein hirnamputierter Vollpfosten, er würde einen Gott heiligen, indem er einem französischen Lehrer den Kopf abschneidet. Anstatt das als das zu verurteilen, was es ist – ein Mord und ein Verstoß gegen die Gebote aller Religionen, insbesondere gegen das fünfte der zehn Gebote, die der Gott der Juden, Christen und Muslime in Gestalt eines brennnenden Dornenbusches verkündet hat – meinen einige nicht weniger bekloppte Anhänger derselben Religion, dem Vollpfosten nacheifern zu müssen. Es kommt zu einem weiteren Anschlag in Frankreich, bei dem der Attentäter aber nicht nur Irrsinn, sondern auch Inkompetenz demonstriert, indem er es nicht schafft, seinem Opfer wie gewünscht den Kopf abzuschneiden. Kurz darauf folgt ein weiterer Anschlag, diesmal in Wien.

Und all das deswegen, weil der liebe Gott bzw. sein heiliger Prophet von einem Karikaturisten verhöhnt wurde? Was zum Teufel denken die Deppen denn von ihrem Gott? Dass ER eine totale Mimose ist, weder fähig, selbst zu entscheiden, wann er beleidigt ist, noch eigenmächtig Vergeltung zu üben? Dass ER die Welt erschaffen hat, mit all dem Guten und Bösen und Wundervollen, dass er seit 6 Milliarden Jahren zuschaut, wie aus Steinen organische Materie und daraus Bakterien, Tiere und schließlich Menschen wurden, wie viele Milliarden von Menschen im Lauf der Jahrtausende geboren werden und verrecken und dazwischen sündigen und fluchen und morden und rauben – und dann soll es dieser weise, starke, geduldige und milde Gott nicht ertragen, wenn ein französischer Zeichner eine Karikatur eines seiner Propheten macht, und auf die Hilfe eines Idioten angewiesen sein, der einem Lehrer den Kopf abschneidet, weil dieser die Karikatur verbreitet hat? Echt? Wie respektlos kann man eigentlich zu seinem eigenen Gott sein?

Europa darf meiner Meinung nach an der Stelle keinerlei Toleranz mehr zeigen und muss sich voll und ganz auf die Seite von Macron, einem Gott der zehn Gebote, einer Religion der Liebe und einem Bekenntnis zur Aufklärung stellen. All diese Werte sind nicht verhandelbar. Demonstrationen, die sich mit einem Mörder solidarisieren und gegen sein Opfer und gegen die Meinungsfreiheit protestieren, sollten verboten werden; Vereine, die zu ihnen aufrufen, sollten ebenso behandelt werden wie Neonazi-Gruppierungen; nahöstliche Staatsführer, die nicht den Mörder, sondern Präsident Macron wahnsinnig nennen, gehören mit allen Mitteln boykottiert. Was natürlich nicht bedeutet, dass Europa nicht versuchen sollte, Einwanderer mit muslimischem Glauben respektvoll zu behandeln, ihre Gefühle zu achten und ihre Lebenschancen so weit wie möglich zu steigern.

Aber leider reagiert Europa – bzw. die EU – auf die Idiotie offenbar vor allem mit einer weiteren Idiotie: Sie liebäugelt mit einer Maßnahme, die den Terroristen überhaupt nicht schadet – sondern nur den ehrlichen Bürgern. Wie der ORF berichtet, hat der EU-Ministerrat im Eilmarsch eine Resolution beschlussfertig gemacht, die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in Apps wie WhatsApp oder Signal verbietet bzw. durch eine verpflichtende Backdoor unterläuft.

Dies gehe auf ein Dokument der deutschen Ratspräsidentschaft vom 6. November zurück, das dem ORF vorliege. Dieses reagiert auf die Anschläge von Wien und Frankreich mit „weiteren Schritten gegen den Terrorismus“, welche in einer Videokonferenz der Innen- und Justizminister Anfang Dezember verabschiedet werden sollen. Offenbar hat der Rat auch schon über die Resolution abgestimmt, im Lauf des Novembers soll sie durch weitere Gremien und Arbeitsgruppen gehen.

Laut dem Dokument soll die EU sicherstellen, dass „kompetente Behörden für Sicherheit und Kriminaljustiz, etwa die Polizei und Staatsanwälte, ihre legalen Kompetenzen ausführen, sowohl online als auch offline.“ Dies macht die mehr und mehr verwendete Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2E) schwierig, da sie Nachrichten so verschlüsselt, dass ausschließlich der Empfänger sie entziffern kann. Für die Strafverfolger ist der „Inhalt der Kommunikation praktisch unmöglich zugänglich zu machen.“ Daher möchte die EU und ihre Behörden mit den Tech-Konzernen zusammenarbeiten, um die zu verabschiedende Bestimmung durchzusetzen, dass „kompetente Behörden die Möglichkeit haben, gesetzmäßigen Zugang zu relevanten Daten zu erhalten.“

Mit anderen Worten: Die EU möchte eine Backdoor. Eine solche Idee ist nicht eben ein Zeugnis der Geistesschärfe des Rates. Es wäre ja irgendwie noch diskutabel, wenn man tatsächlich den Datenschutz der Bürger dafür opfern würde, um Terror – oder meinetwegen Kriminalität – zu verhindern. Aber so ist es nicht. Die Backdoor bringt aller Wahrscheinlichkeit nach nichts, sondern schadet nur.

Terroristen sind zwar Idioten, aber in ihrem Gewerbe nicht blöd. Wenn Signal oder WhatsApp oder Telegram nicht mehr verschlüsseln dürfen, benutzen sie andere Apps oder Programme; diese wird es immer geben, und wer wirklich etwas verbergen MUSS – meistens Terroristen oder Kriminelle eben – der wird das auch weiterhin können. Die Technologie ist aus der Flasche entströmt, es gibt keinen Weg zurück. Wer Infos stark verschlüsseln will, kann das, und wer versucht, gegen eine Technologie anzukämpfen, die schon so weit verbreitet ist wie die Kryptographie, wird keinen Erfolg haben, sondern nur verbrannte Erde hinterlassen.

Wenn die EU die E2E-Verschlüsselung bei WhatsApp, Signal, Telegram und so weiter unterminiert, indem sie eine Backdoor einführt, schadet das den ehrlichen, gesetzestreuen Bürgern: Erstens verletzt sie deren Recht auf den Datenschutz, auch vor den europäischen Behörden. Zweitens gefährdet sie deren Datensicherheit enorm, da eine Backdoor im Falle eines Hacks immer auch von den Bösen verwendet werden kann. Und dies dafür, um im Kampf gegen den Terror vermutlich gar nichts zu erreichen.

Ohnehin scheint der Verweis auf die Anschläge in Österreich und Frankreich lediglich ein zynischer Vorwand zu sein. Denn es scheint sich um einen weltweiten Trend zu handeln, E2E-Verschlüsselung als Problem zu halten. Australien pirschte schon vor einigen Jahren mit einem entsprechenden Gesetz vor. Vor kurzem folgte die USA mit einer Erklärung, an der neben Australien auch Großbritannien, Neuseeland, Kanada und Indien beteiligt war. In dieser Erklärung war auch zu lesen, dass die EU ähnliches vorhabe und beabsichtige. Die Resolution war also vermutlich schon geplant und mit anderen Mächten abgesprochen. Die Anschläge der letzten Wochen haben wohl lediglich den passenden Zeitpunkt abgegeben.

Damit verschärft sich eine globale Tendenz zum Kampf gegen Verschlüsselung. Der „Krypto-Krieg“ geht in eine neue Runde. Kryptowährungen sind darin indirekt involviert. So sind ihre User oft Cypherpunks und damit Anhänger der Verschlüsselung. Zudem erlauben Blockchains wie Ethereum, EOS, Bitcoin SV und andere es, Nachrichten Ende-zu-Ende-verschlüsselt zu übertragen, wie dies auch eine App für das Lightning-Netzwerk erlaubt. Und schließlich gibt es auch Kryptowährungen wie Monero oder Zcash, die faktisch eine Ende-zu-Ende-verschlüsselte Übertragung von Werten erlauben. Wie auch Bitcoin mit dem Lightning-Netzwerk oder mit CoinJoin-artigen Mixern. Wenn die Regierungen dieser Welt es nicht zulassen, dass Nachrichten Ende-zu-Ende-verschlüsselt werden – werden sie dann zulassen, dass Geld auf diese Weise übertragen wird?

Original source: https://bitcoinblog.de/2020/11/09/als-reaktion-auf-terror-auch-die-eu-mochte-eine-backdoor-in-ende-zu-ende-verschlusselung/

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